Bevor wir in die konkrete Planung unseres Windkraftprojektes eingestiegen sind, haben wir uns viele Gedanken über das Für und Wider gemacht. Einige Punkte, die uns wichtig erscheinen und bei der Entscheidung geholfen haben, wollen wir hier aufführen.
Warum Windkraft?
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CO2-Reduktion
Die Erzeugung elektrischer Energie ist essenziell für unser modernes Leben. Um unsere Lebensgrundlage zu erhalten und die Erderwärmung zu begrenzen, muss sichergestellt werden, dass bei der Stromerzeugung so wenig wie möglich CO2 ausgestoßen wird. Erneuerbare Energie und insbesondere Windkraft ist hierbei unverzichtbar.
Die CO2-Emissionen, welche beim Bau entstehen, sind bereits nach knapp einem Jahr Betriebszeit amortisiert.
Effizienz
Moderne Anlagen sind hocheffizient, sie können tausende Haushalte mit Strom versorgen.
Ein 7,2 Megawatt-Windrad produziert im Jahr bei durchschnittlich 1900 Volllaststunden im Binnenland eine Energie von etwa 13 Gigawattstunden (GWh).
Damit lassen sich durchschnittlich bis zu 4.500 Haushalte versorgen. Dabei hat es nur einen geringen Flächenverbrauch von etwa 1.2 ha.
Unabhängig von Rohstoffmärkten
Die aktuellen Entwicklungen und Krisen zeigen: wichtiger denn je ist die Unabhängigkeit von fossilen Brennstoffimporten.
Der weitere Ausbau von Wasserkraft ist bei uns nicht mehr möglich.
Da der Wind in unseren Breitengraden im Winter stärker weht als im Sommer und auch nachts oft verfügbar ist, stellt Windkraft eine ideale Ergänzung zur Photovoltaik dar.
Lokale Wertschöpfung
Beim Bau der Anlagen werden lokale Unternehmen eingebunden.
Für die Gemeinden ergeben sich Pacht- und Steuereinnahmen.
Die Bürger profitieren über die kommunale Teilhabe der Gemeinden oder direkt als Genossenschaftsmitglied.
Faktencheck
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Recycling
Die meisten Teile eines Windrades lassen sich sehr gut wiederverwerten (>85%).
Rotorblätter werden nach aktuellem Stand der Technik als Verbundmaterial aus faserverstärktem Epoxydharz, Holz und Kunststoffen hergestellt. Diese lassen sich nur sehr schwer wieder trennen und damit ist ein stoffliches Recycling sehr schwierig. Es gibt Ansätze, die ein Second Life ausgedienter Windradflügel ermöglichen und z. B. Terrassendielen, Sitzbänke oder Dächer für Fahrradständer daraus fertigen.
Die Fasern können auch als Zuschlagstoff in Beton verwendet werden.
Recycling ist ein vielschichtiges Thema, das weit über die Windkraft hinausgeht. Wir müssen es als Gesellschaft angehen, können aber nicht auf die Lösung warten, bevor wir Erneuerbare Energie ausbauen.
Trotzdem bleibt das Thema Recycling den Herstellern von Windkraftanlagen eine Aufgabe und wir hoffen, dass bald auch Rotorblätter in Kreislaufwirtschaft hergestellt werden.
Infraschall
Die Debatte über Infraschall war jahrelang sehr groß. Zitiert wurde regelmäßig die Studie einer Bundesbehörde, der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe (BGR) aus dem Jahr 2005 die aber gravierende Rechenfehler enthielt. Aktueller Stand ist, dass Windkraft gesundheitlich unproblematisch ist und z.B. bei einer Fahrt im Auto entsteht Infraschall in erheblich höherem Umfang als durch Windkraftanlagen.
Abrieb von Mikroplastik
Es gibt Aussagen, dass der Wind mikroskopisch kleine Plastikteilchen aus dem Rotorblatt löst und diese dann in die Umwelt gelangen. Die Mengen an Mikroplastik, die durch Erosion an den Rotorblättern in die Umwelt gelangen, sind jedoch verschwindend gering im Vergleich zu anderen Quellen. Reifen von Autos werden nach einigen tausend Kilometer gewechselt, weil sie abgefahren sind - Rotorblätter halten in der Regel mehr als 20 Jahre ohne gravierende mechanische Abnutzung. Aktuell liegen allerdings nur theoretische Berechnungen vor und es besteht nach wie vor Forschungsbedarf.
Fledermäuse
Viele Altanlagen werden leider immer noch ohne Fledermausabschaltungen betrieben. Bei diesen Alt-Anlagen gibt es tatsächlich eine größere Anzahl an FledermausopferFledermausopfern pro Jahr.
Mit intelligenter Abschaltung zu den Flugzeiten der Fledermäuse lässt sich das Risiko auf durchschnittlich unter 1 Fledermausopfer pro Jahr reduzieren.
Bürgerfragen
Wertminderung von Immobilien
Eine ältere Studie des RWI aus dem Januar 2019 ermittelte eine Wertminderung von bis zu 7,1 % für Häuser im Umkreis von 1 km um die nächstgelegene Windkraftanlage. Dieser Effekt klang in Entfernungen von 8 bis 9 km ab. Dieser Effekt war bei alten Gebäuden, die vor 1949 erbaut wurden noch ausgeprägter und deren Angebotspreise sanken um bis zu 23 %.
Bei einer Aktualisierung der Studie von Juli 2024 (ebenfalls vom RWI) sieht das Bild schon anders aus. Es kann nur noch eine Wertminderung von 1 bis 2% für Immobilien ermittelt werden und der Effekt klingt in einer Entfernung von 3 km ab.
Studie des RWI von Januar 2019 aktualisierte Studie des RWI von Juli 2024
Speichern wir doch den PV-Strom im Sommer und verbrauchen ihn im Winter ...
Jeder, der eine PV-Anlage auf dem Hausdach hat weiß - im Sommer erzeugt die PV-Anlage deutlich mehr Strom als man braucht. Es wäre doch schön, man könnte den Strom speichern und im Winter dann verbrauchen. Leider ist das Ganze ziemlich unwirtschaftlich.
Bei einem (realen) Hausverbrauch von 5398 kWh (2025) und einem (realen) PV-Ertrag von 5.408 kWh (2025) würde man eine Speicherkapazität von fast 1.500 kWh benötigen um den Solarstrom aus dem Sommer in den Winter zu schieben.
Selbst wenn man den PV-Ertrag mit einer neuen Anlage verdoppelt, benötigt man immer noch eine Speicherkapazität von ca. 470 kWh.
Eine Wärmepumpe ist hier übrigens noch nicht berücksichtigt!
Dunkelflaute und Hellbrise - Auswirkungen und Möglichkeiten zur Kompensation
Es ist Nacht oder der Himmel ist über einen längeren Zeitraum bedeckt von Wolken (es ist „dunkel“) und es weht kein Wind („Flaute“). Dann haben wir eine Dunkelflaute. Sie entsteht typischerweise im Winter. Die ins Stromnetz eingespeiste Energie aus Wind und Sonne ist geringer als üblich.
Derzeit werden Dunkelflauten noch durch das Hochfahren konventioneller Kraftwerke abgefangen. Um die Dunkelflaute zu kompensieren, können aber auch Stromspeicher genutzt werden und Strom aus Nachbarländern importiert werden. Wasserstoff, der zuvor mit elektrischem Strom erzeugt wurde, kann in Brennstoffzellen oder geeigneten Gaskraftwerken wieder zu Strom gemacht werden: die sogenannte „Rückverstromung“.
Das Gegenstück der Dunkelflaute ist die Hellbrise. Hierbei scheint viel die Sonne und es weht viel Wind. Die ins Stromnetz eingespeiste Energie aus Wind und Sonne ist weitaus höher als üblich.
Einer Hellbrise wird durch die Abregelung von Energieerzeugungsanlagen entgegengewirkt. Bei einer Abregelung wird die Leistung reduziert oder ganz abgeschaltet.
Auch können Energiespeicher während einer Hellbrise gefüllt werden, Pumpspeicherkraftwerke laufen im Pumpbetrieb und der überschüssige Strom kann zur Erzeugung von Wasserstoff für die spätere Rückverstromung genutzt werden. Auch eine zeitliche Verschiebung der Nachfrage, also des Stromverbrauchs, ist denkbar.
Heute schon gibt es intelligente Haushaltsgeräte wie Spülmaschinen, Waschmaschinen oder Trockner, die entsprechend dem Stromangebot den Programmstart anpassen. Auch ohne „smart home“ kann jeder mit geringem Aufwand die Energiewende unterstützen: die App „Stromgedacht“ z.B. zeigt für die nächsten Stunden und Tage, wann viel Strom im Netz verfügbar ist und man bevorzugt seine Geräte betreiben sollte.
Schlussfolgerung
Bei allem Für und Wider sind wir der Überzeugung, dass die Vorteile der Windkraftnutzung überwiegen und wir sehen uns verpflichtet, unseren Beitrag zu leisten um die durch Windenergie erreichte Reduktion der CO2-Emmissionen auch bei uns zu Hause in die Tat umzusetzen.